UN/HEARD

Hören
vor dem
Urteil

Audio-Setzungen aus CMG EVERYDAY.
Für Kopfhörer. Für kurze Unterbrechung.
Für den Moment, bevor Bedeutung schließt.

UN/HEARD Alltagsarchäologien · 01:14

MANDELMILCH.
DAS GUTE GEWISSEN
HAT DURST.

Eine Audio-Setzung über Mandelmilch, Ersatzprodukte und die unsichtbaren Folgen eines beruhigten Konsums.

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2 komma 3 Prozent Mandel

der Rest ist Wasser

und Stabilisierung

nicht die Mandel macht den Drink zur Mandelmilch
das Bild macht ihn dazu

97 Prozent Wasser 3 Prozent Mandel 100 Prozent Erwartung

wer hat gefragt was drin ist

pflanzlich gut
Frage beendet bevor sie begann

Barista heißt nicht mehr Mandel
Barista heißt mehr Funktion

2 komma 5 Prozent Mandel 2 komma 5 Prozent Zucker der Rest macht Schaum

fast so viel Zucker wie Mandel

wer hat das gewusst
wer hat gefragt

der Rohstoff ist fast nicht da
das Produkt ist überall

nicht was drin ist wird verkauft
sondern was es sein soll

Barista ist kein Rohstoff
Barista ist ein Verhalten

wir trinken kein Getränk
wir trinken ein Bild

noch nicht gefragt noch nicht hingesehen noch nicht gewusst

Schwellenlust auch hier
die Frage bevor das Urteil übernimmt
welche Mandeln woher wie viele für wen

das Noch-Nicht ist kein Mangel
es ist der Raum in dem Neugier noch leben kann

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UN/HEARD Alltagsarchäologien · 02:18

DU SCHLÄFST.
DIE UHR
WEISS ES ZUERST.

Eine Audio-Setzung über Schlaftracking, Körperdaten und Selbstoptimierung.

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Noch nicht wach.

Noch nicht müde.

Schon gemessen.

Dein Körper lag da.

Aber die Uhr war schneller.

Sie wusste,
wie tief du geschlafen hast.

Wie lange.
Wie ruhig.
Wie unruhig.

Sie wusste,
wann du dich bewegt hast.

Wann dein Puls fiel.

Wann dein Schlaf leicht war.

Wann er tief sein sollte.

Und bevor du dich gefragt hast,
wie es dir geht,

stand schon eine Zahl bereit.

Ein Score.

Eine Kurve.

Eine Bewertung der Nacht.

Du öffnest die Augen.

Aber die Nacht ist schon ausgewertet.

Du spürst dich noch nicht.

Aber die Uhr hat dich bereits gelesen.

Vielleicht fühlst du dich müde.

Vielleicht sagt die Uhr:

gut geschlafen.

Vielleicht fühlst du dich erholt.

Vielleicht sagt die Uhr:

zu wenig Tiefschlaf.

Und plötzlich beginnt der Tag
nicht mit deinem Körper.

Sondern mit einem Wert.

UN/INFORM fragt nicht:

Ist Schlaftracking gut oder schlecht?

Sondern:

Was passiert mit deiner Selbstwahrnehmung,
wenn ein Gerät schneller weiß,
wie es dir geht,
als du selbst?

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UN/HEARD Alltagsarchäologien · 03:04

0,0 IST
KEINE
UNSCHULD.

Eine Audio-Setzung über alkoholfreien Wein, Ersatz, Ritual und beruhigte Gewohnheit.

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Kein Alkohol.

Und trotzdem:

Glas.
Etikett.
Herkunft.
Ritual.
Erwachsensein.

0,0 nimmt etwas weg.

Aber es lässt vieles stehen.

Die Geste bleibt.
Die Form bleibt.
Die Erwartung bleibt.

Ein Getränk wird leichter.

Aber wird auch die Bedeutung leichter?

Du hebst das Glas.

Es sieht aus wie Wein.
Es klingt wie Wein.
Es steht dort, wo Wein steht.

Nur eine Zahl sagt:

Hier fehlt etwas.

0,0.

Null Komma Null.

Das klingt nach Klarheit.
Nach Kontrolle.
Nach Entlastung.

Aber UN/INFORM fragt nicht:

Ist das gut oder schlecht?

Sondern:

Was trinkst du mit,
wenn du glaubst,
nur Alkohol wegzulassen?

Vielleicht trinkst du Herkunft mit.
Vielleicht ein Ritual.
Vielleicht eine Erinnerung.
Vielleicht ein Bild von Genuss,
das bleiben darf,
obwohl der Alkohol geht.

0,0 ist keine Unschuld.

Es ist eine neue Form
alter Gewohnheit.

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UN/GAME Audio-Setzungen · 03:20

DAS SPIEL IST ECHT.
DER APPARAT AUCH.

Eine Audio-Setzung über Fußball, Weltmeisterschaft, Freude, Kritik und den Apparat, der immer mit im Bild ist.

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Ich schaue.

Ich weiß,
was ich schaue.

Und ich schaue
trotzdem.

Achtundvierzig Teams.
Hundertvier Spiele.
Drei Länder.
Tausend Flugstunden.

Ich weiß das.

Und schaue trotzdem.

Nicht,
weil ich blind bin.

Sondern weil
ein Tor
nicht die FIFA ist.

Ein Pass
nicht der Sponsor.

Ein Jubel
nicht der Flugplan.

Und doch
ist alles
mit im Bild.

Das Spiel ist echt.

Der Apparat auch.

Freude
ist kein Freispruch.

Kritik
ist kein Boykott.

Beides.

Gleichzeitig.

Ohne Auflösung.

Sie schreiben:

Diese WM
wird obszön.

Trotzdem
dürfen wir uns freuen.

Trotzdem.

Das Wort steht da.

Klein.

Zwischen
Obszönität
und Erlaubnis.

Wer hat die Erlaubnis erteilt?

Wer hat gefragt?

Wie viel Apparat
passt
in ein Tor?

Wie viel Markt
passt
in einen Jubel?

Wie viel Wissen
passt
in Freude?

Das Spiel ist echt.

Der Apparat auch.

Freude
ist kein Freispruch.

Kritik
ist kein Boykott.

Beides.

Gleichzeitig.

Ohne Auflösung.

Wegsehen
ist auch eine Form
von Teilnahme.

Wegschauen
ist keine Reinheit.

Es ist
eine andere Art
dabeizusein.

Wir können uns
nicht heraushalten.

Wir sind
schon drin.

Im Stream.
Im Gespräch.
Im Ärger.
Im Bild.

Die Frage ist nicht:

drin
oder draußen.

Die Frage ist:

wie?

Ein Kind schaut.

Es sieht
das Tor.

Nur das Tor.

Noch nicht
den Apparat.

Noch nicht
die Flüge.

Noch nicht
den Markt.

Nur
das Tor.

Irgendwann
wissen wir
mehr.

Verlieren wir dann
das Tor?

Oder hält beides?

Das Spiel ist echt.

Der Apparat auch.

Freude
ist kein Freispruch.

Kritik
ist kein Boykott.

Beides.

Gleichzeitig.

Ohne Auflösung.

Ich schaue.

Ich weiß,
was ich schaue.

Ich schaue trotzdem.

Nicht sauber.

Nicht unschuldig.

Nicht frei davon.

Aber wach.

Schwellenlust
auch hier.

Die Frage
bevor das Urteil
übernimmt.

Das Spiel ist echt.

Der Apparat auch.

Beides.

Gleichzeitig.

Ohne Auflösung.

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21:00 Audio-Setzungen · 03:10

WEM GEHÖRT
EINUNDZWANZIG?

Eine Audio-Setzung über WM-Anstoßzeiten, Weltzeit, europäische Selbstverständlichkeit und die Frage, wessen Alltag als normal gilt.

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Drei Uhr.

Das Spiel beginnt.

Kein Wecker.

Eine Frage.

Drei Uhr,
das Spiel beginnt.

Ich stelle keinen Wecker.

Ich stelle eine Frage.

Warum erwarte ich,
dass die Welt
zu meiner Uhrzeit
stattfindet?

Neunzehn Uhr.

Einundzwanzig Uhr.

Das war unser Rhythmus.

Feierabend.
Grillrost.
Kneipe.
Anpfiff.

So war das.

So war das.

So war das immer.

Aber immer —

für wen?

Wem gehört einundzwanzig?

Dem Fan?
Dem Sender?
Dem Markt?
Dem Schlaf?

Wem gehört 21:00?

Nicht die WM
ist zu spät.

Unser Anspruch
ist zu selbstverständlich.

Nicht die WM
ist zu spät.

Unser Anspruch
ist zu selbstverständlich.

Für Menschen in Lagos.

Für Menschen in Seoul.

Für Menschen in São Paulo.

Ist Champions League
auch Nachtschicht.

Sie haben nie gefragt,
ob das gerecht ist.

Sie haben geschaut.

Wir fragen jetzt,
weil es uns trifft.

Wir nennen es
blöde Anstoßzeiten.

Aber gemeint ist:

Nicht unsere Zeit.

Nicht unsere Zeit.

Nicht unsere Zeit.

Wem gehört einundzwanzig?

Dem Fan?
Dem Sender?
Dem Markt?
Dem Schlaf?

Wem gehört 21:00?

Nicht die WM
ist zu spät.

Unser Anspruch
ist zu selbstverständlich.

Nicht die WM
ist zu spät.

Unser Anspruch
ist zu selbstverständlich.

Drei Uhr
ist keine Uhrzeit.

Drei Uhr
ist ein Machtverhältnis.

Es zeigt,
wessen Alltag zählt.

Es zeigt,
wessen Primetime
Weltzeit ist.

Diesmal
sind wir nicht gemeint.

Wie fühlt sich das an?

Wie fühlt sich das an?

Wie fühlt sich das an,
wenn Welt
nicht wir heißt?

Wir sehen erst
unsere Zeit.

Unseren Feierabend.
Unsere Gewohnheit.
Unser Recht
auf einundzwanzig.

Und dann
merken wir:

Die Welt
richtet sich nicht
nach uns.

Das ist nicht nur Fußball.

Das ist
VORDEM.

Die WM läuft.

Nur nicht
in unserem Alltag.

Wir wollen Welt.

Aber bitte
zur besten Sendezeit.

Zur besten Sendezeit.

Zur besten Sendezeit.

Wessen Sendezeit
meint das?

Wessen Welt
meint Welt?

Wem gehört einundzwanzig?

Wem gehört einundzwanzig?

Wem gehört einundzwanzig?

Nicht unsere Zeit.

Nicht unsere Zeit.

Nicht unsere Zeit.

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UN/WOHLSTAND Alltagsarchäologien · 02:39

UNS GING ES NOCH NIE SO GUT

Eine Audio-Setzung über Wohlstand, Verlustangst und die Lücke zwischen Zahl und Körper.

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uns ging es noch nie so gut

der Satz klingt falsch
fast unanständig

uns
ging
es
noch nie
so gut

und trotzdem
der Körper
sagt nein

wir haben Strom
wir haben Straßen
wir haben Krankenversicherung
wir haben Rentenansprüche
wir haben Urlaubstage
wir haben Kühlschränke

wir haben alles
außer
dem Gefühl
alles zu haben

Wohlstand ist eine Erwartung
nicht ein Besitz

dass Strom da ist
dass Wege funktionieren
dass Hilfe kommt
dass Zukunft
planbar bleibt

wenn diese Erwartung bricht
bricht der Wohlstand
auch dann
wenn er noch da ist

wer viel hat
kann viel verlieren

nicht die Armut macht Angst
der Fall macht Angst

das Weniger
der Bruch
der Selbstverständlichkeit

die Zahl sagt ja
der Körper sagt nein

zwischen beiden
wohnt die Politik
und der Populismus
und die Erschöpfung

nicht was fehlt
macht uns unruhig

sondern
dass das Vorhandene
sich anfühlt
wie Vorstufe
des Verlusts

uns ging es noch nie so gut

warum fühlt es sich nicht so an

[lange Pause]

[keine Antwort]

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