DAS SPIEL IST ECHT.
DER APPARAT AUCH.
Eine Audio-Setzung über Fußball, Weltmeisterschaft, Freude, Kritik und den Apparat, der immer mit im Bild ist.
TEXTSPUR
Ich schaue.
Ich weiß,
was ich schaue.
Und ich schaue
trotzdem.
Achtundvierzig Teams.
Hundertvier Spiele.
Drei Länder.
Tausend Flugstunden.
Ich weiß das.
Und schaue trotzdem.
Nicht,
weil ich blind bin.
Sondern weil
ein Tor
nicht die FIFA ist.
Ein Pass
nicht der Sponsor.
Ein Jubel
nicht der Flugplan.
Und doch
ist alles
mit im Bild.
Das Spiel ist echt.
Der Apparat auch.
Freude
ist kein Freispruch.
Kritik
ist kein Boykott.
Beides.
Gleichzeitig.
Ohne Auflösung.
Sie schreiben:
Diese WM
wird obszön.
Trotzdem
dürfen wir uns freuen.
Trotzdem.
Das Wort steht da.
Klein.
Zwischen
Obszönität
und Erlaubnis.
Wer hat die Erlaubnis erteilt?
Wer hat gefragt?
Wie viel Apparat
passt
in ein Tor?
Wie viel Markt
passt
in einen Jubel?
Wie viel Wissen
passt
in Freude?
Das Spiel ist echt.
Der Apparat auch.
Freude
ist kein Freispruch.
Kritik
ist kein Boykott.
Beides.
Gleichzeitig.
Ohne Auflösung.
Wegsehen
ist auch eine Form
von Teilnahme.
Wegschauen
ist keine Reinheit.
Es ist
eine andere Art
dabeizusein.
Wir können uns
nicht heraushalten.
Wir sind
schon drin.
Im Stream.
Im Gespräch.
Im Ärger.
Im Bild.
Die Frage ist nicht:
drin
oder draußen.
Die Frage ist:
wie?
Ein Kind schaut.
Es sieht
das Tor.
Nur das Tor.
Noch nicht
den Apparat.
Noch nicht
die Flüge.
Noch nicht
den Markt.
Nur
das Tor.
Irgendwann
wissen wir
mehr.
Verlieren wir dann
das Tor?
Oder hält beides?
Das Spiel ist echt.
Der Apparat auch.
Freude
ist kein Freispruch.
Kritik
ist kein Boykott.
Beides.
Gleichzeitig.
Ohne Auflösung.
Ich schaue.
Ich weiß,
was ich schaue.
Ich schaue trotzdem.
Nicht sauber.
Nicht unschuldig.
Nicht frei davon.
Aber wach.
Schwellenlust
auch hier.
Die Frage
bevor das Urteil
übernimmt.
Das Spiel ist echt.
Der Apparat auch.
Beides.
Gleichzeitig.
Ohne Auflösung.